Freistaat Mittelpunkt

ein Film von Kai Ehlers

Freistaat Mittelpunkt
79 min | HD | Farbe | DCP | 5.1. | deutsch mit englischen Untertiteln

"Der Film hat mich ganz schön aufgewühlt. Unmöglich, sich dem zu entziehen. Dabei hat auch eine Rolle gespielt, dass mir das, was zu sagen ist, nicht von Kommentaren abgenommen wird. Ich fühle mich ganz in der Verantwortung, mich für die Rolle der Justiz zu schämen, die nach 1945 schamlos die Rolle der Nazijustiz (Erbgesundheitsgesetz) in die Bundesrepublik übernommen hat - bis 1991.

Genial finde ich die Bildgestaltung. Sie illustriert nicht so Furchtbares wie Akten, Gesetze und selbstgerechte Kommentatoren. Sie kreiert dagegen so etwas Kreatives wie die bäuerlichen Wiesen, Felder, Weiden, Wälder, in denen die Betroffenen zu Hause sind. Weit weg von den Selbstgerechten in ihren Amtsstuben.
Der Film ergänzt fundamental die trockene, wissenschaftliche, an Akten ausgerichtete zeitgeschichtliche Forschung. Er ist anschaulich, zielt in sowas Anschauliches wie Altbekanntes, nämlich ins Gemüt.

Oder anders ausgedrückt: er ist maximal anschauenswert."

Dietrich Kuhlbrodt
Freistaat Mittelpunkt berichtet von einem Kapitel der nationalsozialistischen Diktatur, Eugenik, von dem mangels Lobby und Eloquenz wenig aus der Perspektive der Betroffenen an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Aber Ernst Otto Karl Grassmé hat bezeugt, was ihm widerfahren ist und was er sich für sein Leben gewünscht hat: In zahlreichen Briefen an ein Teenager-Mädchen aus der Nachbarschaft, in der er vielleicht das Kind gesehen hat, das ihm durch Zwangssterilisation verweigert wurde, erzählt er:
Davon, was ihm angetan wurde, auch noch im Nachkriegsdeutschland, das ihm Wiedergutmachung verweigert hat. Aber auch davon, manchmal sogar humorvoll, wie er für ein Leben in Würde gekämpft hat. Im Wald, abseits von der Gesellschaft, die sie ihm zu nehmen versucht hat.

Der Film gewährt eine einmalige subjektive Perspektive auf die grausame Praxis der Eugenik und ihre langanhaltende Wirkung. Er stellt die Frage, was das eigentlich ist: ein souveränes Leben.
eine Kai Ehlers Film Produktion in Koproduktion mit Moon Jar Film

gefördert von der Filmwerkstatt Kiel der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, unterstützt durch ein Crowdfunding, die Arthur Boskamp-Stiftung, Ameos Krankenhausgesellschaft und die Postfactory